Durchgeführte Horstschutzmaßnahmen im Saalekreis

Problembeschreibung

(© G. Klammer 2016)

In den letzten Jahren konnte im Saalekreis ein erhöhter Anteil von erfolglosen Bruten bei Greifvögeln festgestellt werden. Das führte schließlich auch zum Sinken der Nachwuchsrate der Greifvögel, speziell von Rot- und Schwarzmilan. So lag hier allein 2015 die Verlustrate bei den Rot- und Schwarzmilanen zwischen 60 und 70 Prozent. Die möglichen Ursachen hierfür sind sehr vielfältig. Da ist zunächst eine immer weitere Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit für Greifvögel zu nennen, vor allem durch eine intensive Landwirtschaft und dem damit verbundenen großflächigen Anbau von Monokulturen wie Raps und Mais. Aber auch ein stetiger Anstieg von Prädatoren gilt als eine Hauptursache im Untersuchungsgebiet. Als Hauptprädator ist hier der Waschbär zu nennen. So konnten immer wieder während durchgeführter Kartierungen verstärkt Waschbären in Astgabeln, Baumhöhlungen und auf Greifvogelhorsten festgestellt werden. Der Waschbär füllt wahrscheinlich eine viel größere ökologische Nische aus, als bisher angenommen wurde, und dadurch wurde dieses Problem meist viel zu häufig unterschätzt.

 

Lösungsvorschlag – die Ummantelung von Horstbäumen

 

Zur Absicherung des Bruterfolges und damit zur Stützung der lokalen und regionalen Greifvogelpopulation im Saalekreis sollten die Horste nachhaltig vor Waschbären geschützt werden.

 

In der Vergangenheit wurden in Sachsen-Anhalt (zuletzt im Altkreis Bernburg) solche Maßnahmen bereits erfolgreich praktiziert, wo das Ummanteln von 152 Horstbäumen im Zeitraum von 2009 bis 2012 zu einer nachweislichen Erhöhung der Nachwuchsrate bei den Greifvögeln führte. Hier war die Nachwuchsrate in den Jahren zuvor, vor allem durch den Einfluss des Waschbären, um ca. 33 Prozent gesunken. Dieser Lösungsansatz, die Ummantelung von Horstbäumen, wurde nun auch im Saalekreis zur Anwendung gebracht.

 

Materialien und ihre technische Umsetzung

 

Zur Ummantelung der Horstbäume wurde „sogenannte Verglasungsfolie“ verwendet. Diese Verglasungsfolie lässt sich sehr gut verarbeiten, da sie direkt von der Rolle kommt. Sie ist transparent – ein entscheidender Vorteil, denn so ist die Ummantelung des Horstbaumes aus größerer Entfernung nicht sofort zu erkennen. Des Weiteren entsteht kein Hitzestau auf der Rinde und gleichzeitig wird eine gute Lichtdurchlässigkeit auf die Rinde des Horstbaumes gewährleistet, im Gegensatz zur Verwendung von handelsüblicher schwarzer Teichfolie. Die Verglasungsfolie ist außerdem sehr UV-beständig und zu dem ist ihre Oberfläche glatter als Teichfolie, welche das Übersteigen der Ummantelung durch den Waschbären deutlich erschwert. Die Ummantelung wurde in der Regel in einer Höhe von etwa 1,5 m um den Horstbaum angebracht. Die Höhe der Ummantelung betrug einen Meter. Damit wurde sichergestellt, dass der Waschbär diesen Zwischenraum der Ummantelung nicht übersteigen kann. Dabei wurde die Folie an den Enden ca. 10-15 cm überlappend angebracht. Zur Befestigung wurden „Edelstahl-Spengler-Schrauben“ (verschiedener Baulängen) benutzt. Diese haben eine gummierte Unterlegscheibe und einen Sternkantschlitz und können damit nicht ohne Weiteres durch Unbefugte heraus gedreht werden. Die Befestigung erfolgte dabei mit vier Schrauben (bei einem „normalen“ Stammdurchmesser von etwa 50 cm) an der Überlappungsstelle. Bei stärkeren Stammdurchmessern wurden bis zu sieben Schrauben verwendet. Das Kambiumgewebe des Baumes wurde dabei nicht verletzt, da die Schrauben auf Grund ihrer unterschiedlichen Baulängen variabel eingesetzt konnten und so nur in die Außenrinde des Baumes eindrangen. Bei einigen Horstbäumen wurden am Stamm einige Äste entfernt, um die Ummantelung setzen zu können bzw. einen zusätzlichen Kletterhalt für den Waschbären zu verhindern. Alle Arbeiten zur Ummantelung von Horstbäumen wurden jeweils durch mindestens zwei Personen durchgeführt. Zusätzlich wurde auf der Verglasungsfolie ein Hinweis-Aufkleber „Klettersperre“ angebracht, um beispielsweise Spaziergänger und nicht mit dem Vorgang der Ummantelung vertraute Personen über den Sinn dieser Ummantelung aufzuklären. Alle bisher durchgeführten Ummantelungen von Horstbäumen wurden zuvor zeitgerecht mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des Saalekreises abgestimmt und durch die Behörde genehmigt.

 

Wo wurden bereits Horstbäume ummantelt?

 

Insgesamt wurden bisher über 80 Horstbäume im Saalekreis mit dieser Horstschutzmaßnahme versehen. So wurden 2015 auf der Querfurter Platte im Bereich von Barnstädt bereits 41 Horstbäume ummantelt. 2016 erfolgte die Ummantelung von weiteren 13 Horstbäumen in diesem Gebiet. Des Weiteren wurden im Gebiet um Sietzsch (südlich von Landsberg) 2016 weitere 30 Horstbäume ummantelt. Die Arbeiten zur Anbringung der Ummantelung wurden dabei stets in Monaten Februar bis März (Abschluss jeweils am 15. März) der Jahre 2015 und 2016 durchgeführt. So wurde der Abschluss der Arbeiten stets vor der Revierbesetzung durch die Greifvögel sichergestellt, um Störungen während der Revierbesetzung auszuschließen. Bei den ummantelten Bäumen handelte es sich in der Regel um ehemalige Horstbäume von Rot- und Schwarzmilanen, in Ausnahmen auch vom Mäusebussard. Der Erfolg der Ummantelungen wurde bisher und wird auch zukünftig durch ein Monitoring zur Besetzung der Horstbäume und zur Ermittlung der Brutergebnisse in diesen Horsten gewährleistet. Die Finanzierung der Ummantelungen wurde zu einem Teil aus Eigenmitteln sichergestellt, zu einem anderen Teil durch Unterstützung von Firmen (u.a. WSB Projekt GmbH, Dresden). Weitere Ummantelungen von Horstbäumen im Saalekreis sind in Planung.